Die vom AStA der JLU angestoßene Urabstimmung zur Reform der modularisierten Studiengänge wird als Erfolg gewertet. Über 76 % stimmten den Antrag zu, 4381 Studierende votierten mit Ja, insgesamt nahmen 5766 Studierende an der Abstimmung teil. Demnach wird der AStA auf der nächsten Senatssitzung im Februar 2011 einen Änderungsantrag im Namen der Studierendenschaft der Justus-Liebig-Universität stellen. Dieser Antrag eröffnet die Möglichkeit, dass ein Teil der Modulnoten ausgeklammert werden kann und nicht in der Gesamtnote berücksichtigt wird. Hintergrund der Initiative und der Urabstimmung ist der deutlich erhöhte Prüfungsdruck bei Bachelor und Masterstudiengängen. Bisher war es üblich, dass fast alle im Studium erworbenen Noten in die Abschlussnote einfließen. Da die Abschlussnote allerdings ein maßgebliches Kriterium für die Zulassung zu einem Master-Studienplatz ist oder weitreichende Auswirkungen für die Zukunft des Studierenden bei Bewerbungen um Jobs oder Promotionsstipendien haben kann war der Druck entsprechend groß. Die Reduzierung dieses Prüfungsdrucks war auch eine der zentralen Forderungen im Rahmen des Bildungsstreiks 2009. Trotz des großen Engagements auch nach dem Streik konnten mit dem Präsidium der JLU nur unzureichende Verbesserungen der Studiensituation verhandelt und vereinbart werden. Dass die Forderung nach Absenkung des Prüfungsdrucks noch aktuell ist, zeigen einige alarmierende Fakten, die Studien und Presse uns präsentieren: Zuviel Prüfungsdruck führt zu negativem Stress, woraus schlechte Lernerfolge sowie miserable Noten resultieren können. Zudem birgt der Notenstress die Gefahr von psychischen Erkrankungen. Die vom Deutschen Studentenwerk beauftragte Sozialerhebung beziffert den Anteil der Studierenden, die mit Prüfungsangst kämpfen, unter depressiven Verstimmungen leiden und die Lern-/Leistungsprobleme haben mit 12 bis 13 Prozent. Dabei sind Ängste und Depressionen die häufigsten Symptome, die durch einen hohen Leistungsdruck entstehen. Der AStA bewertet die erfolgreiche Abstimmung auch als Erfolg bei den Bemühungen für ein besseres Studium an der Justus-Liebig-Universität insgesamt. Mit der Urabstimmung als weitgreifendes Mittel demokratischer Teilhabe für alle Studierenden bewies der AStA auch, dass die geforderte Demokratisierung der Hochschule nicht nur Lippenbekenntnis ist sondern auch im Rahmen der eigenen Möglichkeiten in die Tat umgesetzt wird.